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Samstag, 6. April 2019

Rezension Sophie Passmann

"Alte weiße Männer - ein Schlichtungsversuch" von Sophie Passmann


Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: KiWi-Taschenbuch (7. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462052462
ISBN-13: 978-3462052466


Inhaltsangabe:

Sophie Passmann ist Feministin und so gar nicht einverstanden mit der Plattitüde, der alte weiße Mann sei an allem schuld. Sie will wissen, was hinter diesem Klischeebild steckt und fragt nach: Ab wann ist man ein alter weißer Mann? Und kann man vielleicht verhindern, einer zu werden? Sophie Passmann gehört zu einer neuen Generation junger Feministinnen; das sind Frauen, die stolz, laut und selbstbestimmt sind. Sie wollen Vorstandschefinnen werden oder Hausfrauen, Kinder kriegen oder Karriere machen oder beides. Und sie haben ein Feindbild, den alten weißen Mann. Dabei wurde nie genau geklärt, was der alte weiße Mann genau ist. Eines ist klar: Er hat Macht und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren. Doch Sophie Passmann will Gewissheit statt billiger Punch-lines, deswegen trifft sie mächtige Männer, um mit ihnen darüber zu sprechen: "Sind Sie ein alter weißer Mann und wenn ja – warum?" Die Texte, die daraus entstanden sind, gehören zu den klügsten und gleichzeitig lustigsten, die man hierzulande finden kann.

Autoreninfo:

Sophie Passmann ist 24 Jahre alt und für ihr Alter schon ganz schön viel da. Ihre Jugend verbrachte sie deutschlandweit mit Auftritten bei Poetry Slams, später trat sie als Comedian und Autorin auf. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft und Philosophie ging sie als Radiomoderatorin zu 1LIVE, außerdem ist sie im Ensemble des Neo Magazin Royale mit Jan Böhmermann. Ihre Texte und Kolumnen erschienen u.a. bei NEON und im ZEIT Magazin. Ihr Hauptwohnsitz ist das Internet, auf Instagram und Twitter spricht sie über alles, was in ihrem Leben eine Rolle spielt: tinder, Gin Tonic, die Europäische Union, vegane Pizza oderder Nahostkonflikt. Sie scheint das ganz gut zu machen, denn in beiden Netzwerken hat sie mittlerweile rund 90.000 Follower. Sie trinkt sehr gerne Riesling und kann kein bisschen Klavier spielen. 

Meine Meinung:

Titel: Augenöffnend und bereichernd für jede Frau der Neuzeit...

Gleich vorweg: Ich bin weder Feministin, noch war mir Frau Passmann vor der Lektüre allzu bekannt und dennoch finde ich ihr Buch wichtig und interessant.

Sophie führt in ihrem Buch Gespräche mit Männern, die vermehrt aus der Medienbranche kommen, weil das die alten weißen Männer sind (oder zu solchen werden könnten), die ihr im alltäglichen Leben gefährlich werden könnten (oder beruflich)  und durch die Medien den meisten Lesern bekannt sein dürften.Und wie wir alle wissen, wird ein Klemptner oder Bauarbeiter bereits aufgrund seiner Stellung nie ein alter weißer Mann werden, weshalb eben diese Jungs nicht im Buch auftauchen.

Ich muss gestehen, dass ich den ein oder anderen Mann erstmal googlen musste, um ein Gesicht vor Augen zu haben. Für meinen Geschmack hat die Autorin eine ausgewogene Wahl an männlichen Interviewpartnern gewählt.

Das Buch ist komplett gegendert, was mich beim Lesen anfänglich gestört hat, aber je mehr ich las, desto deutlicher wurde mir wie wichtig es ist, dass es eben nicht nur Spitzenpolitiker, sondern eben auch Spitzenpolitikerinnen gibt.

Das Buch verspricht keine Lösung für das Problem Ungerechtigkeit gegenüber Frauen, aber das hatte ich gar nicht erwartet. Vielmehr zeigt es auf wie unsere Gesellschaft aktuell so tickt und dass noch jede Menge passieren muss, damit es keine Unterschiede mehr gibt.

Ich hatte bisher immer die Einstellung, dass es keine Quote braucht, denn schließlich will man bei einem Job genommen werden, weil man die Beste ist, aber oft wird man auch als Beste nicht genommen, weil man eine Frau ist. Hier wurden mir regelrecht die Augen geöffnet, dass die Quote schlichtweg nur eine Chance von vielen ist.

Gerade bei den Chefredakteuren habe ich meine männlichen Vorgesetzten wiedererkannt, was mich peinlich berührt und zum Schmunzeln gebracht hat.

Besonders geschockt war ich übrigens von den Gesprächen mit Jörg Thadeusz und Rainer Langhans. Diese Herren hatte ich eigentlich als sehr liberal und in die Schublade "Frauenversteher" gepackt. Interessant wie sich an so einem Thema wie Feminismus dann doch die Geister scheiden.

Ansonsten mochte ich beim Lesen das Laute, das leicht Nörgelige und Aufmöpfige der Autorin, was mich stark an mich selbst erinnert hat. Wahrscheinlich hat man als Frau nur dann die Möglichkeit wahrgenommen zu werden, wenn man nicht so bequem ist wie einen die Männer gerne hätten.

Das Einzige was ich maximal zu kritisieren hätte ist die Farbe des Bucheinbandes: warum ausgerechnet rosa? Ist nicht mittlerweile grün das neue pink?

Fazit: Ein großartiges Buch, das mich sehr gut unterhalten hat und mir nach der Lektüre einen enormen Wissenszuwachs verschafft und meine Einstellung zu bestimmten Themen noch geschärft hat. Für mich ein Buch, das von jeder Frau gelesen werden sollte. Klare Kauf- und Leseempfehlung!

Bewertung: 5/ 5 Sternen --> nehmt das ihr Hater ;-)