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Sonntag, 19. Mai 2019

Rezension Matt Haig

"Mach mal halblang. Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten" von Matt Haig


Broschiert: 320 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (22. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423262281
ISBN-13: 978-3423262286


Inhaltsangabe:

Sind Sie schon durchgedreht oder arbeiten Sie noch daran? Wir leben in einem Zeitalter der Ängste und der überdrehten Schnelligkeit. Man könnte meinen, unsere gesamte Lebensweise wäre darauf ausgerichtet, uns ins Unglück zu stürzen. Der Life-Overload hat uns fest im Griff. Aber: Können wir etwas dagegen tun? Matt Haig beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie die lärmende Außenwelt unser Denken beherrscht und wie wir uns zur Wehr setzen können. Es geht um große und kleine Dinge, um Weltpolitik, Gesundheit, Smartphones, Social Media, Sucht, Vernetzung. Ein Buch, das uns alle angeht und das uns unserer eigentlichen Aufgabe wieder ein wenig näherbringt: dem Menschsein.

Autoreninfo:

Matt Haig, geboren 1975 in Sheffield, hat bereits mehrere Romane und Kinderbücher veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über dreißig Sprachen übersetzt wurden. In Deutschland bekannt wurde er mit dem SPIEGEL-Bestseller "Ich und die Menschen".

Meine Meinung:

Titel: Ein sehr persönliches Buch...

Auch wenn ich schon viel über Matt Haig und seine Bücher gehört habe, so war dieses doch das Erste, was ich von ihm gelesen habe.

In sehr kurzen und knackigen Kapiteln schreibt er über das heutige Leben im digitalen Zeitalter und er trifft damit bei mir einen Nerv, denn genauso fühlt es sich an.

Gut gefallen hat mir, dass er Tipps gibt wie man sich dem schnelllebigen Alltag etwas entziehen kann und dass man nicht immer die Erwartugen anderer erfüllen muss.

Ich fand großartig, dass er uns als Leser an den schwierigen Themen "Angststörung" und "Depressionen" teilhaben lässt, denn er ist selbst davon betroffen. Für mich fühlte sich das Geschilderte echt und nachvollziehbar an.

Das Buch hat sich unheimlich kurzweilig lesen lassen. Man kann auch immer mal nur ein oder zwei Abschnitte lesen und ist direkt wieder im Thema drin.

In meinen Augen ein wirklich wichtiges Buch, denn es zeigt auf, dass Depressionen und Angststörungen zwar Krankheiten sind, man sich aber deswegen nicht verstecken und es auf keinen Fall tabuisieren darf.

Fazit: Mich hat das Buch sehr nachdenklich gestimmt und gleichzeitig gut unterhalten, daher kann ich es auch nur weitrempfehlen.

Bewertung: 4/5 Sternen

Samstag, 18. Mai 2019

Rezension Tara Isabella Burton

"So schöne Lügen" von Tara Isabella Burton


Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (17. Mai 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832183701
ISBN-13: 978-3832183707


Inhaltsangabe:

Auch in einer Stadt, in der scheinbar alles möglich ist, muss man sich sein Glück leisten können: Louise ist Ende zwanzig und versucht, sich in New York durchzuschlagen. Eigentlich wollte sie Schriftstellerin werden – jetzt lebt sie in Brooklyn, hat mehrere miserabel bezahlte Jobs und wird von Selbstzweifeln geplagt. Eines Tages begegnet sie Lavinia. Und die hat wirklich alles: Sie wohnt auf der Upper East Side, ist wild, frei und wunderschön. Doch vor allem ist sie reich. Ihr glamouröses Leben teilt sie gern – auf sämtlichen sozialen Netzwerken, aber auch mit Louise. Die beiden ungleichen Frauen werden Freundinnen. Louise wird auf Partys herumgereicht, lässt sich von Lavinia einkleiden, zieht bei ihr ein – sie verfällt Lavinia und ihrer Welt. Auch wenn sie nicht das Geld hat, um in ihr zu bestehen. Irgendwann beginnt sie, die Freundin zu bestehlen. Und um sich aus ihrer Ohnmacht zu befreien, wird sie noch viel weiter gehen. Muss Lavinia sterben, damit Louise leben kann?

Autoreninfo:

Tara Isabella Burton lebt als Journalistin in New York. Sie wurde für ihre Reportagen mit dem "Shiva Naipaul Award for Travel Writing" ausgezeichnet und hat in Oxford in Theologie promoviert. Für die Newswebsite Vox arbeitet sie als Korrespondentin.

Meine Meinung:

Titel:Toxische Freundschaft deluxe...

Die hübsche Aufmachung des Buches und der Klappentext hatten mein Interesse geweckt und so begann ich gespannt mit der Lektüre.

In der Geschichte geht es um Louise, die mit Ende 20 alles andere als zufrieden ist mit ihrem Leben. Doch dann tritt Lavinia in ihr Leben und nichts ist mehr wie es war. Louise bewundert ihre neue Freundin, denn sie hat und ist alles, was Louise immer sein wollte. Aber alsbald hat Louise immer mehr ein unangenehmes Gefühl namens Neid, dass sie quält. Sie will das Leben von Lavinia leben, aber geht das so ganz ohne Geld?

Der Roman hat es mir echt nicht leicht gemacht ihn zu mögen. Die ersten hundert Seiten musste ich mich eher quälen als dass ich das Lesen genossen habe. Eine wilde Party jagt die nächste und kaum denkt man, dass es nicht schlimmer und extremer werden kann, dann kommt es genau so, noch krasser und heftiger.

Ab der Mitte des Buches hat mich die Handlung dann aber doch irgendwie gefangen genommen. Es ist eben eine ganz andere Welt, die die Autorin da beschreibt. Die Figuren strotzen nur so vor Egozentrik und Narzissmus.

Im Fokus der Handlung stehen die beiden Freundinnen Louise und Lavinia. Hatte ich anfangs noch Mitleid mit Louise und fand Lavinia enorm extrem und abgebrüht, so änderte sich meine Meinung je mehr die Handlung voranschritt. Die Frauen haben sich beide verdient.

Frau Burton gelang es in meinen Augen sehr gut aufzuzeigen wie faszinierend und fesselnd eine Person auf andere wirken kann, ohne dass derjenige so richtig etwas dafür kann. Manche Menschen haben eben einfach eine besondere Aura.

Das Buch ist eine Geschichte der Extreme. Das muss man mögen, ansonsten ist man von dem Roman wahrscheinlich nur genervt. Als stiller Beobachter habe ich das Buch recht gern gelesen, denn es hat mir aufgezeigt, dass mein eigenes Leben gar nicht mal so übel ist.

Fazit: Keine leichte Kost, aber wenn man durchhält, bekommt man Stoff zum Nachdenken und man ist zufriedener mit sich selbst. Ich kann nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 3/5 Sternen

Freitag, 17. Mai 2019

Rezension Stefan Strauss

"Wave Culture - Faszination Surfen: Das Handbuch der Wellenreiter" von Stefan Strauss und Ralf Götze

Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: WAVE CULTURE Media; Auflage: 7., (1. Dezember 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3000190732
ISBN-13: 978-3000190735


Inhaltsangabe:

"WAVE CULTURE - Faszination Surfen" ist ein Handbuch für alle Wellenreiter, das sämtliche Aspekte dieser mitreißenden Sportart anspricht. Alle Themen sind mit informativen Texten sowie mit anschaulichen Bildern und Grafiken übersichtlich dargestellt. Das Buch eignet sich hervorragend als Lernhilfe und Nachschlagewerk und ist durch viele atemberaubende Bilder und kleine Geschichten von Surfern auch ein idealer Schmöker für zwischendurch. Kein Buch in Deutschland behandelt das Thema Wellenreiten so ausführlich. Grund genug für jeden Surfer dieses Buch als zuverlässigen Weggefährten bei sich zu haben.

Autoreninfo:

Die Autoren Stefan Strauss (geb. 1971) und Ralf Götze (geb. 1966) haben das Surfen Anfang der 90er Jahre in Südfrankreich erlernt. Schnell entstand eine große Begeisterung zu diesem Sport und zu dem Leben, das damit verbunden ist. Kennen gelernt haben sich die beiden Autoren 1998 auf einem Surftrip durch Mittelamerika. Es folgten weitere gemeinsame Reisen. Auf einer dieser Reisen wurde auch die Idee für ein Surfbuch geboren. Nachdem Stefan Strauss und Ralf Götze in ihren Semesterferien viele Jahre als Surflehrer gearbeitet haben, sind sie heute als Veranstalter von Surfreisen tätig und verbringen die meiste Zeit des Jahres an den Küsten dieser Welt. 

Meine Meinung:

Titel: Ideal für Anfänger...

Da ich einen Surfurlaub gebucht habe, war ich auf der Suche nach einem informativen Buch, welches mich zum Einen auf den Trip vorbereitet und zum Anderen zur Überbrückung der Wartezeit dient. Und beides habe ich durch dieses Buch bekommen.

Das Buch bietet alles, was ein Anfänger wissen sollte. Es geht sowohl um die Geschichte des Surfens, als auch um die richtigen Bretter, die unterschiedlichsten Techiken, theoretische Grundlagen, Reiseziele für das Surfen und vieles mehr.

Das Besondere an dem Buch sind vor allem die zahlreichen und vor allem sehr ansprechenden Fotos, die sowohl für das nötige Verständnis des Geschilderten sorgen als auch einfach Lust auf das Surfen machen.

Durch dieses Buch weiß ich auf was ich mich alles einstellen muss und gehe dem Urlaub zwar mit Respekt aber ohne Angst entgehen.

Für mich waren gerade die theoretischen Parts gut erklärt und das heißt schon was, da mich physikalische Informationen meist eher erschlagen als dass ich sie verstehe.

Besonders hat mir gefallen, dass man Informationen zu den Surflocations in Europa bekommt und welche Neoprenanzüge und ähnliches man dort benötigt. Das empfand ich als sehr hilfreich.

Das Buch ist übrigens im A4 Format, so dass ich es nicht unbedingt mit auf Reisen nehmen würde, sondern eher empfehlen würde es vorher zu lesen. Trotz der Größe ist es sehr handlich, was sicher auch am Taschenbuchformat liegt.

Da mich dieses Buch so begeistert hat, habe ich auch noch den zweiten Band bestellt, der ähnlich ansprechend zusammengestellt erscheint.

Fazit: In meinen Augen ein guter Einstieg in die Thematik Surfen, gern spreche ich eine Leseempfehlung aus. Gute Lektüre!

Bewertung: 4/5 Sternen

Sonntag, 28. April 2019

Rezension John Jay Osborn

"Liebe ist die beste Therapie" von John Jay Osborn


Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 3 (24. Oktober 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257070438
ISBN-13: 978-3257070439
Originaltitel: Listen to the Marriage


Inhaltsangabe:

Alles spielt sich in einem Raum mit vier Stühlen ab. Auf denen sitzen: eine Frau und ein Mann Mitte 30 sowie eine Paartherapeutin mit unorthodoxen Methoden. Der vierte Stuhl bleibt leer, er steht für die Ehe, die die beiden aufgebaut haben. Und von der die Therapeutin zu Anfang sagt, die Chance, sie zu retten, sei höchstens 1:1000.

Autoreninfo:

John Jay Osborn, geboren 1945, ist ein US-amerikanischer Anwalt, Jura-Professor und Autor. Während seines Studiums an der Harvard Law School schrieb er seinen ersten Roman, der unter dem Titel "Zeit der Prüfungen" mit Timothy Bottoms und John Houseman verfilmt und mit einem Oscar prämiert wurde. John Jay Osborn lebt in Palo Alto. 

Meine Meinung:

Titel: Ist die Liebe noch zu retten?

Da es sich hier nicht um einen typischen Liebesroman handelt, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen.

In der Geschichte geht es um Steve und Charlotte, deren Ehe am Ende ist. Aber ist die Ehe wirklich nicht mehr zu retten und müssen sich die beiden tatsächlich scheiden lassen? Gemeinsam gehen sie zur Paartherapie. Wird ihnen das helfen?

Als Leser nimmt man direkt an der Paartherapie der beiden teil, denn man sitzt quasi mit im Behandlungszimmer zusammen mit dem Paar, der Therapeutin Sandy und der Ehe.

Ich als Leserin hatte wirklich das Gefühl teil der Therapie zu sein. Sind Charlotte und Steve anfänglich gar nicht in der Lage sich miteinander sachlich zu unterhalten, merkt man im Verlauf der Handlung, dass sich dies immer mehr bessert. Aus den Vorhaltungen werden schnell Nachdenken und Verständnis.

Mir hat besonders gut gefallen, dass deutlich wurde, dass die Partner oft nicht sagen was sie denken, sondern stets das Gegenteil, so dass es automatisch zu Missverständnissen kommen muss.

Ebenfalls schön war, dass man für beide Parteien Verständnis hat und ihr Handeln nachvollziehen konnte. Innerhalb kürzester Zeit sind mir sowohl Steve als auch Charlotte ans Herz gewachsen, da man einfach spürte wie sehr sie aneinander hängen.

Ich fühlte mich besonders angesprochen, da ich eine unangenehme Scheidung durchmachen musste und leider keine Möglichkeit hatte jemanden wie Therapeutin Sandy an meiner Seite zu haben.

Fazit: Ein augenöffnender Roman, der sehr nachdenklich, aber auch gleichzeitig hoffnungsvoll stimmt. Ich fühlte mich gut unterhalten und empfehle das Buch gern weiter.

Bewertung: 4/5 Sternen

Dienstag, 23. April 2019

Rezension Camilla Läckberg

"Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem." von Camilla Läckberg


Broschiert: 384 Seiten
Verlag: List Hardcover; Auflage: 1. (29. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3471351736
ISBN-13: 978-3471351734


Inhaltsangabe:

Faye und Jack sind das absolute Traumpaar. Sie haben das erfolgreichste Unternehmen Stockholms aufgebaut, wohnen in einem luxuriösen Apartment und sind umgeben von den Reichen und Schönen. Die gemeinsame Tochter Julienne ist die Krönung ihres Glücks.
Doch der Schein trügt. Fayes Leben dreht sich nur noch um den verzweifelten Versuch, Jack zu gefallen. Seine Verachtung ist in jeder seiner Gesten spürbar. Was verbirgt ihr einst liebevoller Mann vor ihr? Als Jack und Julienne von einem Bootstrip nicht zurückkehren und die Polizei eine Blutlache im Apartment entdeckt, fällt der Verdacht schnell auf Jack. Hat er seine eigene Tochter ermordet? Nichts in Fayes Leben ist mehr so, wie sie es kannte ...

Autoreninfo:

Camilla Läckberg, geb. 1974 in Fjällbacka, ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Nach ihrem Marketingstudium arbeitete sie in der freien Wirtschaft. Heute lebt die Königin des schwedischen Kriminalromans in Stockholm.

Meine Meinung:

Titel: Liebe kann dir auch nicht helfen...

Natürlich ist mir die Autorin vor allem ein Begriff durch die Reihe um die Ermittler Falck und Hedström, aus der ich einige Bände gelesen habe. Umso gespannter war ich nun wie die Autorin außerhalb der Reihe schreibt und begann interessiert mit der Lektüre.

In der Geschichte geht es um das Traumpaar Jack und Faye, die gemeinsam ein großes Imperium aufgebaut haben. Doch Jack seine Launen werden immer unerträglicher. Was hat Faye ihm nur getan, dass er sie so mies behandelt? Als dann auch noch ihre gemeinsame Tochter verschwindet, ist Faye ihr Unglück perfekt. Wird sie aus diesem Sumpf des Lebens wieder herauskommen?

Ich muss gestehen, dass mir die Lektüre nicht gerade leicht fiel, was aber nichts mit der Schreibe der Autorin zu tun hatte, sondern weil mich das Eheleben des Paares sehr stark an eigene Erlebnisse erinnert hat, so dass ich beim Lesen oft schlucken musste.

Das Buch hat eigentlich eher den Titel Thriller verdient, da es sich hier einfach nicht um einen Roman im eigentlichen Sinne handelt. Es ist so aufgebaut, dass wir in der Gegenwart Faye begleiten und zwischendrin Rückblenden aus Fayes früherem Leben präsentiert bekommen.

Die Autorin veranschaulicht hier sehr schonungslos wie sich eine Frau ihrem Ehemann immer mehr anpasst, um ihm zu gefallen und sich dabei immer mehr selbst verliert. Das hat mich zutiefst berührt, vor allem deswegen weil es Faye als Protagonistin nicht einmal wirklich klar ist, dass sie das tut.

Der Fokus der Erzählung liegt auf dem Ehepaar. Dabei wird schnell klar, dass Jack nicht der ist, der er zu sein vorgibt. Was über ihn nach und nach rauskommt, hat mich doch sehr geschockt. Als Leser kann man dadurch sehr gut die Wut von Faye verstehen und fühlt mit ihr.

In der Figur der Faye werden sich sicherlich sehr viele Ehefrauen und Mütter wiedererkennen. Ich konnte mich auf Anhieb in sie einfühlen und mich mit ihr identifizieren. Ihre Rachegelüste konnte ich nur zu gut verstehen.

Als Leser tappt man lange im Dunkeln, was denn nun mit Töchterchen Julienne passiert ist. Ich hatte zwar einiges bereits erahnt, aber die Auflösung war dann doch eine Überraschung.

Mein Highlight im Buch war ganz klar Fayes Freundin Chris. Ich glaube so eine gute Freundin hätte jeder gerne.

Fazit: Eine spannende Geschichte, die einem Gänsehaut bereitet und nicht gerade leichte Kost ist. Gute Unterhaltung, die ich gern empfehle.

Bewertung: 4/5 Sternen

Montag, 15. April 2019

Rezension Lilli Beck

"Mehr als tausend Worte" von Lilli Beck


Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag; Auflage: Originalausgabe (25. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764506504
ISBN-13: 978-3764506506


Inhaltsangabe:

Berlin, 9. November 1938: Aliza erwacht von durchdringenden Schreien, als ihr Großvater von der Gestapo abgeholt wird. Die politische Lage in Deutschland spitzt sich immer weiter zu, doch entgegen aller Mahnungen weigert sich ihr Vater, ein jüdischer Arzt, das Land zu verlassen. Nur seine Tochter will er im Ausland in Sicherheit bringen. Aliza ist am Boden zerstört, dass sie Fabian, ihre große Liebe, zurücklassen muss. Beim Abschied versprechen sich die beiden, nach ihrer Rückkehr zu heiraten. Doch werden sie die Wirren des Krieges überstehen?

Autoreninfo:

Lilli Beck wurde in Weiden/Oberpfalz geboren, wo sie auch aufwuchs und nach der Schulzeit eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau absolvierte. Ende 1968 wechselt sie nach München. Nach zwei Wochen tippen bei einem Rechtsanwalt, wurde sie von einer Modelagentin in der damaligen In-Disco "Blow up" entdeckt. Es folgten die ersten Fotos in Paris. Anschließend arbeitete sie u.a. für Zeitschriften wie BRIGTTE, landete wegen ihrer perfekten Beine auf Strumpfpackungen und Plakaten, war die Pirelli-Kühlerfigur der 70er Jahre und Covergirl auf der LP "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" von Marius Müller-Westernhagen. Zwischendurch absolvierte sie ein Schauspielstudium, war Cutterassistentin, (u.a. bei Wim Wenders' "Der amerikanische Freund"), und bekam erste TV- und Filmrollen. Durch die intensive Arbeit mit Texten begann sie, Kurzgeschichten zu verfassen. Nach der Geburt ihrer Tochter gab sie die Schauspielerei auf und wechselte hinter die Kamera als Visagistin. 2000 verließ sie die Welt des schönen Scheins, um nur noch zu schreiben.

Meine Meinung:

Titel: Ich wollte dieses Buch wirklich von Herzen lieben...

Als Fan der historischen Romane von Lilli Beck, habe ich auf dieses Buch monatelang gewartet. Ganz gespannt begann ich mit der Lektüre, hatte ich doch bereits "Wie der Wind und das Meer" und "Glück und Glas" verschlungen.

In der Geschichte geht es um Aliza und Fabian, die sich kurz vor dem zweiten Weltkrieg ineinander verlieben. Das einzige Problem: er ist Christ, sie Jüdin und beide leben in Deutschland. Um sie zu retten, lässt er seine Liebste nach England reisen, wo Juden nicht verfolgt werden und er muss in den Krieg ziehen. Wird das junge Paar sich wirklich wiedersehen? Und wird die frische Liebe überhaupt Bestand haben können in diesen harten Zeiten?

Das Besondere an dem Buch ist, dass wir den zweiten Weltkrieg mal aus einer anderen Perspektive erleben, da sich die Hauptfigur Aliza während des Krieges in England und nicht in Deutschland befindet. 

Die Handlung spielt zwischen 1938 und 1945. Zu Beginn las ich noch mit großer Freude, denn das Glück des jungen Paares, trotz der Gefahren, live miterleben zu dürfen, hat einfach nur Spaß gemacht. So viel Vertrauen und Zuversicht findet man in der heutigen Gesellschaft ja eher selten.

Richtig gut gelungen fand ich wie die Autorin den Kindertransport nach England beschrieben hat und auch später wie sie das zerbombte Berlin schildert. Hier hatte ich beim Lesen wirklich Gänsehaut und habe gebannt die Handlung verfolgt. Auch dass nicht nur alles glatt geht und man Verluste hinnehmen muss, empfand ich als sehr realistisch und nachvollziehbar.

Für mich las sich die erste Hälfte des Romans sehr angenehm, alles wirkte sehr authentisch und nachvollziehbar. Doch leider kam dann irgendwann die Wende für mich, so dass ich nicht mehr ganz so gerne las. 

Mit Aliza als Figur wurde ich einfach nicht warm. Sie ist doch recht oft mit sich selbst beschäftigt, nicht individuell genug und ich hatte das Gefühl, dass ihr Geld sehr wichtig ist im Leben, da dies immer wieder erwähnt wird. Dauernd ist von schönen Kleidern, herrlichen Häusern und gutem Essen die Rede, während andere kaum das Nötigste haben. Gerade zum Ende der Geschichte hin wirft sie mit Geld und Zigaretten nur so um sich, was sie in meinen Augen sehr ins schlechte Licht rückte. Ansonsten verstehe ich natürlich, dass sie für ihre Liebsten nur das Beste will, aber dafür geht sie eben gefühlt über Leichen und das fand ich gar nicht gut.

Andere Figuren wie ihr Bruder Harald, ihre liebevollen Eltern, Freundin Mizzi oder Lord Baringham mochte ich da deutlich lieber, einfach weil sie für mich mehr Ecken und Kanten hatten. Was für mich schlichtweg nicht nachvollziehbar war: eine Freundin wird plötzlich zur Bösen, was in der ganzen Handlung nie so ersichtlich war und sich für mich an den Haaren herbeigezogen angefühlt hat. Es wirkte als wenn die Autorin mit Macht nochmal eine erstaunliche Wende in der Geschichte haben wollte, um den Leser so richtig zu schocken. Geschockt war ich jedoch nur von dem zu sehr konstruierten Plot.

Happyends mag sicher jeder gern, aber es sollte dann doch noch irgendwie glaubwürdig bleiben. Mir waren die letzten Seiten dann etwas zu kitschig. Als Botschaft blieb da für mich hängen: Mit Geld erreichst du alles und nicht wie ich gehofft hatte, dass Liebe eben auch Berge versetzen kann.

Fazit: Ich wollte dieses Buch wirklich lieben, schlichtweg weil es sehr vielversprechend erschien, doch leider konnte mich die Autorin dieses Mal nicht überzeugen. Ich kann daher nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 3/5 Sternen

Mittwoch, 10. April 2019

Rezension Kati Naumann

"Was uns erinnern lässt" von Kati Naumann


Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: HarperCollins; Auflage: 1 (1. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3959672470
ISBN-13: 978-3959672474


Inhaltsangabe:

1977: Das Zuhause der vierzehnjährigen Christine ist das ehemals mondäne Hotel Waldeshöh am Rennsteig im Thüringer Wald. Seit der Teilung Deutschlands liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone direkt an der Grenze. Schon lange findet kein Wanderer mehr den Weg dorthin. Ohne Passierschein darf niemand das Waldstück betreten, irgendwann fahren weder Postauto noch Krankenwagen mehr dort hinauf. Fast scheint es, als habe die DDR das Hotel und seine Bewohner vergessen.
2017: Die junge Milla findet abseits der Wanderwege im Thüringer Wald einen überwucherten Keller und stößt auf die Geschichte des Hotels Waldeshöh. Dieser besondere Ort lässt sie nicht los, sie spürt Christine auf, um mehr zu erfahren. Die Begegnung verändert beide Frauen: Während die eine lernt, Erinnerungen anzunehmen, findet die andere Trost im Loslassen.

Autoreninfo:

Kati Naumann, geboren 1963 in Leipzig, schreibt Romane, Drehbücher, Gedichte, Songtexte, Hörspielreihen und arbeitete an diversen Musik- und Kindersendungen für das Fernsehen mit. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig und London. 

Meine Meinung: 

Titel: Das Leben in der Sperrzone...

Als Fan von Büchern über Geschichte und Familienschicksalen stolperte ich über diesen Roman. Gespannt begann ich mit der Lektüre, ist mir doch das Thema "Sperrzone" in der DDR nicht ganz unbekannt.

In der Geschichte stößt die Geocacherin Milla auf einen Lost Place, an dem zuvor noch nie jemand war. Für sie wird ein Traum wahr, denn nichts besseres konnte sie sich vorstellen. Doch dann erfährt sie, dass hier mal ein Hotel stand, welches der Familie Dressel gehörte. Was ist mit der Familie passiert? Millas Spürsinn ist geweckt und sie beginnt zu recherchieren. Dabei entdeckt sie viel mehr als sie geahnt hat.

Ein beobachtender Erzähler führt uns durch die Handlung und als Leser begleitet man immer im Wechsel zum einen die Familie Dressel in den Jahren 1945 bis 1977 und zum anderen Milla bei ihrer Recherche zum Hotel "Waldeshöh" im Jahr 2017.

Der Autorin gelang es dabei sehr gut sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart authentische Figuren zu erschaffen. Mir war Milla zusammen mit ihrem Sohn Neo direkt sympathisch. Ich fand es gut, dass Milla alleinerziehend ist, schlichtweg weil dies ja heute keine Seltenheit mehr ist. Die Probleme zwischen den beiden habe ich als normal und realistisch empfunden.

In der Handlung rund um die Familie Dressel haben mich am meisten Arno und Johanna Dressel angesprochen, schlichtweg weil ihre Liebe trotz aller Umstände Bestand hatte. Zudem hat mich ihr Verhalten stark an meine eigenen Großeltern erinnert.

Das Thema Zwangsumsiedlung in der DDR war mir bis dato gänzlich unbekannt. Ich habe mit meiner Familie als kleines Kind zwar selbst in so einer Zone gelebt, aber nie so etwas wahrgenommen. Umso bedrückender fand ich es daher dann hier darüber etwas zu lesen.

Im Roman wird viel über den Alltag in der DDR geschildert, was ich als realistisch geschildert empfand. Allerdings hat die Autorin wirklich alles rein genommen, was sich so hätte ereignen können, was aber in der Menge sicher nicht dem Durchschnittsbürger der DDR in Gänze passiert ist.  Beim Lesen hörte es sich manches Mal an, als wenn das Leben dort teilweise unerträglich und ungemütlich war, was ich jedoch nie so wahrgenommen habe. Viele Repressalien hat man einfach so hingenommen und das Beste aus dem Wenigen gemacht. Was man nicht besaß oder kannte, das konnte man auch nicht vermissen.

Gut gefallen hat mir auf jeden Fall, dass die Autorin einen Teil deutscher Geschichte beleuchtet, über den kaum gesprochen wird. Es ist schön, dass Menschen, denen dies passiert ist, so nicht in Vergessenheit geraten.

Fazit: Ein unterhaltsamer Roman mit jeder Menge Geschichtswissen, welchen man gelesen haben sollte. Gelungen!

Bewertung: 4/5 Sternen